Münchner Merkur: Karwendel Music Festival schreit nach einer Wiederholung
Karwendel Music Festival schreit nach einer Wiederholung
Wolfgang Kunz
24.08.2016
© kunz
Mittenwald - Es war ein Versuch - und der hat funktioniert. Und wie. Das erste Karwendel Music Festival war ein voller Erfolg. Mit einem krönenden Abschluss.
Ein Kracher jagte den nächsten. Mittenwald war im Musikhimmel. In sieben Konzerten hatten Stargeiger Sven Stucke als Künstlerischer Leiter und die Festival-Intendantin Xi Wang aus New York den Besuchern des Karwendel Music Festivals das musikalische Mittenwald des 21. Jahrhunderts vorgestellt. Der krönende Abschluss blieb nicht aus.
Zum Ende der Premieren-Veranstaltung trumpften die hochrangigen Dozenten des zweiwöchigen Workshops – unter anderem auch der Stargeiger und Leiter des russischen Staatskammerorchesters Viktor Tretjakov – mit ihrem profunden Können auf, ehe tags darauf 17 ausgesuchte Nachwuchsmusiker in der Kirche St. Peter und Paul zeigten, wie sie ihr Talent in diesem Workshop steigern konnten. Stucke, der aus Magdeburg stammt, zieht ein rundum positives Fazit. „Es waren zwei aufregende Wochen, in denen wir ein buntes Programm erarbeitet haben“, sagt er: „An unsere Schüler wurden vielfältige Anforderungen gestellt, die sie alle hervorragend gemeistert haben.“
Der erste Teil des 90-minütigen Konzertes wurde neben dem Streichorchester von zwei Quartetten und einem Soloauftritt gestaltet. Die erste Vierergruppe bot Musik des russischen Komponisten Alexander Borodin (1853 bis 1887), die zweite überzeugte mit dem „Streichquartett 4. Satz“ des Norwegers Edvard Grieg (1843 bis 1907). Viel Beifall heimste dann auch der Magdeburger Konstantin Bruns (23) ein, der auf seinem Cello mit viel Hingabe das „Konzert D-Dur 1. Satz“ von Joseph Haydn zur Aufführung brachte.
Im zweiten Teil trat Stucke selbst als Orchesterdirigent auf. Er nutzte mit dem Konzert „Vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi (1678 bis 1741) die Möglichkeit, vier ausgezeichnete Nachwuchs-Solistinnen vorzustellen. Den „Frühling“ trug die erst zwölfjährige Chinesin Jixuan Ren aus Peking vor, die als Förderpreisgewinnerin mit einen 20 000 Euro teuren Bogen ein Jahr lang spielen und bei Konzerten auftreten darf. In den „Sommer“ versetzte die Gäste die russische Geigerin Rimma Benyunova. Den „Herbst“ untermalte musikalisch die Chinesin Yutong Zhang und den „Winter“ Sarah Kuo aus der Schweiz.
„Das Experiment in Mittenwald hat geklappt“, betonte Stucke, der sich über die Unterstützung der Marktgemeinde mit Veranstaltungsleiter Jürgen Wiesneth freut. „Ab November gehen wir mit hier ausgesuchten Musiktalenten auf Tournee durch China, USA und Europa.“
Das Festival hat sich auf lange Sicht gelohnt, zum Beispiel im besten Fall für den Tourismus. „Durch viele private Sponsoren“, sagte Stucke, „konnten wir an unsere Schüler Stipendien im Wert von 8 000 Euro vergeben. Dieser Erfolg spricht sich weltweit herum und verlangt förmlich nach einer Wiederholung hier in Mittenwald.“