Münchner Merkur: Erstes Karwendel Music Festival steht bevor
Erstes Karwendel Music Festival steht bevor
Eva Stöckerl
04.August 2016
Mittenwald - Mittenwald bekommt die Chance auf einen großen Knaller. Der Geiger Sven Stucke und die Musikagentin Xi Wang starten vom 8. bis 21. August das erste Karwendel Music Festival. Das Konzept klingt bestechend: Open-Air-Konzerte vor grandioser Kulisse und Arbeit mit potenziellen Stars. Der Geigenbauort ist dafür prädestiniert.
Begeistert von dem neuen Festival: v.l. Adolf Hornsteiner, Sven Stucke, Sabrina Blandau und Dr. Michael Rapp.
Xi Wang
Generaldirektor
Viktor Tretjakov
Sven Stucke, 28, preisgekrönt und international unterwegs, hat Mittenwald schon als Kind mit seinen Eltern kennen und lieben gelernt. „Ich werd' nie vergessen, wie überwältigt ich war, als ich zum ersten Mal vor dem Karwendelgebirge stand“, sagt der Magdeburger. Seither besucht er Mittenwald jeden Sommer. Die Idee zum Karwendel Music Festival wurde aber erst geboren, als er vor zwei Jahren der befreundeten Xi Wang das Isartal zeigte. Die arbeitet für eine der größten Künstleragenturen in New York und war sofort Feuer und Flamme. Mittenwald mit seiner jahrhundertealten Geigenbautradition sei genau der richtige Ort für ein Festival.
Der Gedanke ließ die beiden nicht mehr los. „2015 haben wir uns alles hier genau angeschaut, die Konzertorte ausgesucht und Xi Wang hat das Grundkonzept entworfen“, erzählt Stucke. Beim Tourismusverbund Alpenwelt Karwendel rannte das Duo offene Türen ein. Als es den Touristikern sein Konzept vorstellte, erkannten die sofort das Potenzial eines solchen Ereignisses. Schon vor dem Auftakt meint Veranstaltungsleiter Jürgen Wiesneth: „Wir würden uns so eine Veranstaltung jährlich wünschen. Die Geige ist ja bei uns daheim. Mit dem Festival würde unsere Tradition nach außen getragen und internationales auch jüngeres Publikum zu uns bringen.“
Dem verbalen Zuspruch folgte gleich die praktische Unterstützung. Stucke und Wang, die als Künstlerischer Leiter und Festival-Intendantin das Projekt gemeinsam tragen, rühmen die Hilfsbereitschaft der Gemeinde. Im kommunikativen Bereich, bei der Vermittlung von Kontakten. Die „Alpenwelt Karwendel übernahm den Plakatdruck und wir können die Veranstaltungsorte der Gemeinde kostenlos nutzen“, sagt Stucke. Trotzdem tragen die beiden Veranstalter das finanzielle Risiko und haben auf eigene Kosten enorme Vorleistungen erbracht. Eine beachtliche Summe investierten sie in professionelle Webseiten und Online-Präsentation, insgesamt stecken ein großer Aufwand und eine Riesenorganistionsleistung hinter dem Pilotprojekt.
Das Konzept steht auf zwei Beinen. Einmal werden zehn gefeierte Künstler zwei Wochen lang mit Nachwuchsmusikern arbeiten. Sie geben Meisterklassen in Geige, Viola, Cello und Klavier. Dazu kommen Workshops, Vorträge und Podiumsdiskussionen. „Wir haben unter den Bewerbern 22 Teilnehmer aus sieben Ländern und vier Kontinenten ausgewählt“, erklärt Stucke. Alle mussten sich via Videopräsentation vorstellen und Erfolge aufweisen können. „Da ist zum Beispiel eine zwölfjährige Chinesin dabei, die uns mit ihrem Spiel vom Hocker gerissen hat“, sagt Stucke, der selber schon mit elf Jahren sein Solo-Konzertdebüt gab. Er will es jungen Talenten ermöglichen, „ihren Werdegang in ruhiger Atmosphäre fortzusetzen, ohne verheizt zu werden“. Die besten Kursteilnehmer in Mittenwald sollen auf Konzerttourneen mitgehen oder von Agenten vermittelt werden.
Auf die zehn Dozenten ist Stucke stolz. Herausragend darunter der russische Star-Geiger Viktor Tretjakov, mit dem er bereits auf der Bühne stand. Er konzertiert weltweit mit den führenden Orchestern, lehrt in Moskau und Köln, leitete das russische Staatskammerorchester und wurde als „Verdienter Künstler des Volkes der UdSSR“ ausgezeichnet. Wie kann sich Stucke solche Künstler leisten? „Wir bieten ihnen gerade soviel Gage an, dass wir ihre Ehre nicht verletzen, und sie kommen uns entgegen“, erklärt er das Prinzip. Seine Vernetzung in der Kammermusikszene leitet da wertvolle Dienste. Ein Geschäft, das ist den Veranstaltern klar, kann dieses erste Festival gar nicht werden. Stucke: „PlusMinus-Null wäre gut.“
Das Programm
In sieben Konzerten stellt Sven Stucke den Besuchern des Karwendel Music Festivals das „musikalische Mittenwald des 21. Jahrhunderts vor“. Kammermusik erklingt am Mittwoch,10. und 17. August, um 15 Uhr im Geigenbaumuseum Mittenwald. Einzigartig wird das Sonnenuntergangs-Event am Donnerstag,11. August, an der Bergstation der Karwendelbahn. Ausgewählte Festivalteilnehmer geben am Samstag, 13. August, um 19 Uhr ein Meisterkonzert im Kurhaus Krün, am Sonntag, 14. August, um 15 Uhr im Kurpark-Pavillon Mittenwald und am Samstag, 20. August, um 20 Uhr in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Mittenwald. Zum Abschluss spielen Orchester und Solisten am Sonntag, 21. August, um 11 Uhr im Kurpark Puit. Kartenvorverkauf: www.karwendelmusicfestival.com und Tourist-Info Mittenwald. Restkarten an der Abendkasse.
Eva Stöckerl